Geteilte Meinungen: Zeitungen über Sperati

Schon zu seinen Lebzeiten waren Person und Werk von Jean de Sperati aufs Heftigste umstritten. Nach der Aufdeckung seiner vielseitig talentierten Tätigkeit, seltene Briefmarken möglichst perfekt zu imitieren, um sie zu Preisen weit unter den Marktkursen der Originale zu verkaufen, erschienen seit den 1940er-Jahren unzählige Artikel und Publikationen über ihn und seine Reproduktionen. Er selbst studierte diese Beiträge gerne und gewährte einigen Journalisten Interviews. Eine Zusammenstellung von positiven Meinungen und Zitaten hat er persönlich verfasst.

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Die „Aufdeckung“ seiner Aktivitäten durch die Beschlagnahme einer Sendung durch den französischen Zoll 1942 und die folgenden jahrelange Gerichtsverfahren brachte Jean de Sperati einen Ruf in der Öffentlichkeit, der für ihn offenbar große Bedeutung hatte. In seinem Nachlass wurden zwei Blätter mit Schreibmaschinenschrift in französischer Sprache gefunden, auf denen er Auszüge mit Zitaten aus Zeitungsberichten vom vierten Quartal des Jahres 1945 zusammengestellt hatte.

presse-1945-2xcDie „Libération“ vom 14. Dezember 1945 kommentierte, er arbeite seit 25 Jahren daran, besonders rare Marken zu reproduzieren, und sie anschließend an Experten der ganzen Welt zu übermitteln. Die ihm übereinstimmend antworteten, dass seine Briefmarken perfekt authentisch seien.

Am 15. Dezember 1945 berichtete „L’Aurore“, es gebe Liebhaber, die der Meinung seien, dass nach dem Tod ihres Schöpfers die Reproduktionen vielleicht einen höheren Wert haben könnten als die echten Stücke…

Und „Le Dauphiné Libéré“ am 22. Dezember 1945:
„Der berühmte Imitator wird dennoch seine Zeit der Redaktion seiner Veröffentlichungen opfern und seinen künstlerischen Serien von ‚Kopien‘, die gute Chancen haben, in einigen Jahren mehr zu werten als die authentischen Marken“.

In etlichen Fällen trifft dies heute zu…

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Weihnachtsgrüße der Familie Sperati

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Gerne schickten sich die Mitglieder des Familienkreises von Jean de Sperati Grußkarten zu Feiertagen. Einige dieser Stücke aus der Korrespondenz der Jahre 1912 bis 1934 sind erhalten geblieben und geben interessante Einblicke ins Familienleben.

Einen umfangreichen Artikel zu diesem Thema von Michael Burzan hat die BDPh-Zeitschrift „philatelie“ in ihrer Ausgabe vom Januar 2016 veröffentlicht.

Die seltenste Briefmarke Europas

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Schwedens „TRE SKILLING Banco“ als Fehldruck in Gelb

Die seltenste Version aus der ersten Serie schwedischer Postwertzeichen ist die legendäre Farb-Abart der „TRE SKILLING BANCO“. Für die Welt der europäischen Philatelie stellt sie das „Non plus Ultra“ dar, die berühmteste und wohl auch teuerste Briefmarke Europas. Die als Fehldruck klassifizierte MiNr. 1 F, die das Markenbild in orangegelber Farbe anstatt in Grün trägt, ist auch nach 160 Jahren nur in einem einzigen legendären Exemplar bekannt. Sie wurde auch von dem besten „Briefmarkenfälscher“ Jean de Sperati reproduziert und erzielt als „Ersatz“ für das unerreichbare Original beachtliche dreistellige Preise.

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Eine Sperati-Version der Toprarität, leicht erkennbar durch den abweichenden Stempel

Auch wenn noch zahlreiche andere Postwertzeichen-Abarten als Unikate existieren, hat keine den Status dieser Marke erreicht. Ihre Echtheit und Entstehungsgeschichte wurde wiederholt in Frage gestellt, doch es scheint sich um eine versehentliche Verwendung der Farbe zu handeln, die sonst für eine späte Teilauflage der Wertstufe zu 8 Skilling Banco regulär zum Einsatz kam (MiNr. 4).

Ihre Entdeckungsgeschichte, die 1931 bei einem Rechtsanwalt in Göteborg beeidet wurde, trägt zur Legende bei. Der Stockholmer Schüler Georg Wilhelm Backman war gerade 14 Jahre alt, aber kein Briefmarkensammler, als er in den Weihnachtsferien 1885 seine Großmutter bei Romfartuna nördlich der schwedischen Stadt Västeras besuchte. Unter den Hinterlassenschaften seines Großvaters fand er jenes Exemplar des Fehldruckes, auf blaues Schreibpapier geklebt. Da die Großmutter ihre Briefe behalten wollte, löste er die Marke ab und verursachte dabei eine kleine Beschädigung an der Zähnung, die er mit einem Knopflocheisen beseitigte. Später rekonstruierte Backman, dass die Marke sich auf einem Brief von seinem Großonkel befunden haben soll, der am 13. Juli 1857 aus Nya Kopparberget in Wästmanland abgeschickt wurde.

Nach den Ferien verkaufte er die Briefmarke Anfang 1886 für sieben Kronen an den Briefmarkenhändler Heinrich Lichtenstein, dem die gelbe statt grüne Farbe sofort auffiel. Wenig später präsentierte der Händler sie als Seltenheit in einer Ausstellung und erhielt bereits ein Gebot von 300 Kronen, auf das er jedoch in Erwartung weit höherer Preise nicht einging.

Nach einigen preislich nicht dokumentierten Besitzerwechseln erwarb der Wiener Briefmarkenhändler Sigmund Friedl den Fehldruck. Im Jahr 1894 veräußerte er die gelbe „Tre Skilling Banco“ zum damaligen Rekordpreis von 4000 Gulden, etwa 3000 Dollar, an den legendären Sammler Philipp La Renotière von Ferrary.

Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte 1922 die Auflösung der Ferrary-Kollektion durch den französischen Staat und der Fehldruck ging zum Preis von 35 250 Francs, damals rund 5000 Dollar, an den schwedischen Baron Eric Leijonhufvud. Schon vier Jahre später wechselte die Marke etwa zum doppelten Preis erneut den Besitzer und kam in die Kollektion von Claes A. Tamm. Nur zwei Jahre danach kaufte sie der Schwede Dr. Johan Ramberg für umgerechnet rund 2000 Pfund oder 15 000 Dollar. 1937 zahlte König Carol II. von Rumänien durch Vermittlung des Londoner Auktionshauses H. R. Harmer bereits 5000 Pfund für die gelbe „Tre Skilling Banco“. 1950 erwarb sie der bedeutende Sammler René Berlingin für eine unbekannte Summe.

Bei einigen weiteren Besitzerwechseln blieben die Käufer oder Verkäufer anonym; ebenso lassen sich nur noch wenige konkrete Preisangaben finden. 1963 soll ein Angebot von 240 000 Schweizer Franken abgelehnt worden sein, berichtete der Autor Dr. Frank Arnau. Im Oktober 1978 wurde das Stück bei der 150. Auktion von Edgar Mohrmann für eine Million Mark angeboten, aber zurückgezogen.

Im März 1984 erfolgte der Zuschlag bei David Feldman in Zürich zum Preis von 977 500 Schweizer Franken inklusive Aufgeld. Ein anonymer Sammler hatte den Auftrag zur Ersteigerung bis maximal 870 000 Franken (plus Nebenkosten) nur wenige Sekunden vor der Auktion an einen Agenten erteilt. Im Mai 1990 ließ der Sohn des mittlerweile verstorbenen Käufers die Marke erneut bei David Feldman versteigern; der Endpreis lag bei 1 897 500 Franken. Der Erwerber blieb allerdings die vollständige Begleichung der Rechnung schuldig, daher wurde der Fehldruck der „Tre Skilling Banco“ im November 1996 in Genf erneut ausgerufen und erbrachte einen Betrag von 2,5 Millionen Schweizer Franken. Am 22. Mai 2010 wurde die Marke wiederum beim Auktionshaus David Feldman in Genf offeriert; Käufer wie auch Kaufpreis blieben ungenannt. Im Mai 2013 erwarb der schwedische Unternehmer und Politiker Graf Gustaf Archibald Siegwart Douglas den Fehldruck zu einem unbekannten Preis und brachte ihn zurück in sein Ursprungsland.

Angesichts der Einzigartigkeit dieser Toprarität – auch 160 Jahre nach Erscheinen der schwedischen Erstausgabe – können Katalogwerte nur vorsichtige Schätzungen darstellen. Schon in den 1980er-Jahren notierte Michel dafür einen Betrag von 1,3 Millionen Mark. Seither sind daraus 2 Millionen Michel-Euro geworden…

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Als „Marke auf Marke“ zeigte Schwedens Post die gelbe „Tre Skilling Banco“ 1992 auf MiNr. 1716.

Wer die „Lücke“ in seiner Sammlung günstiger schließen will, muss allein für die Reproduktionen von Jean de Sperati etliche hundert bis über tausend Euro einkalkulieren. Auch weitere Werte der ersten philatelistischen Schwedinnen hat er imitiert.

Eine preiswerte Reproduktion verausgabte die schwedische Post am 26. März 1992 im Markenheftchen 170 unter dem Titel „Berühmte Briefmarken“. Das Heftchenblatt 197 mit MiNr. 1714-1716 enthält neben zwei Normalstücken der Nummer 1 zu 3 Skilling Banco in Grün zu 2,80 und 4,50 Kronen zwei der gelben Fehldrucke zum Nominalwert von 5,50 Kronen (MiNr. 1716, Auflage 2,32 Millionen).

c: Michael Burzan & PhilaTec 2015

(aus: DBZ 19/2015, Markt & Marken, Folge III der Reihe über Schwedens Erstausgabe 1855)

Mehr dazu auf Schwedisch:
Sperati Sweden

Forged Stamps of Sweden (incl. Sperati)

 

 

 

Speratis Meisterstücke – Werke und Werte von Altdeutschland

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In der Monatszeitschrift „philatelie“ des Bundes Deutscher Philatelisten BDPh e.V. hat Michael Burzan im November 2011 eine Serie von Artikeln begonnen, die sich zum „Mammutprojekt“ entwickelt hat. Nachdem er in früheren Jahren bereits verschiedene Beiträge über Jean de Sperati und seine Reproduktionen seltener Briefmarken veröffentlicht hatte, ging es ihm in dieser Reihe darum, zumindest einmal die Erkenntnisse zusammenzufassen, die sich zu Ausgaben deutscher Sammelgebiete dokumentieren lassen.

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Ausgangsbasis bildete das seltene Werk, das die British Philatelic Association in London 1955 herausgegeben hat, nachdem sie die Bestände des „Meisterfälschers“ von ihm persönlich angekauft und übernommen hatte: „The Work of Jean de Sperati“, dankenswerter Weise zu Verfügung gestellt aus der persönlichen Fachbibliothek von Wolfgang Maassen (Chefredakteur der „philatelie“ und Präsident der AIJP). Die aufwändig produzierte Edition in englischer Sprache wurde in einer limitierten Auflage von 500 Doppelbänden publiziert – Band 1 mit den Texten, Band II mit den Abbildungstafeln. Zur Ergänzung gab es Blätter, auf denen Reproduktionen von Sperati mit rückseitiger Kennzeichnung und Nummerierung enthalten waren. Diese Bände zählen heute zu den Kostbarkeiten der philatelistischen Fachliteratur und können je nach Umfang der Beilagen bis zu mehreren tausend Euro kosten. Ein Band mit weiteren Erkenntnissen, Ergänzungen und Korrekturen, die sich im Lauf der Jahrzehnte ergaben, wurde 2001 von Robson Lowe und Carl Walske veröffentlicht.

Die Artikelserie von Michael Burzan fasst zum einen die Beschreibungen der B.P.A. zu Speratis Reproduktionen in deutscher Sprache zusammen, unter Berücksichtigung von Korrekturen und Nachträgen. Zum zweiten werden konkrete Marktofferten berücksichtigt, bei denen Einzelstücke von Speratis Werken zum Angebot kamen. Ein dritter Punkt ist der Vergleich mit den Originalmarken, die Sperati reproduziert hat, ihren Merkmalen und Preisentwicklungen, wobei herausragende Exemplare vorgestellt werden. Biografische Notizen und Illustrationen zum Leben und zur Vorgehensweise des „größten Briefmarken-Fälschers aller Zeiten“ runden die Reihe ab. Viele tausend Abbildungen, Auktionsstücke, Beschreibungen und Preisangaben über mehr als hundert Jahre werden hierzu gesichtet und ausgewertet.

Die Veröffentlichung der Einzelbeiträge erfolgt in loser alphabetischer Folge der betroffenen Sammelgebiete von Altdeutschland, wobei der verfügbare Platz in den Heften und der erforderliche Zeitaufwand zur Erstellung der Beiträge entscheidend ist.

Bisher sind in dieser Reihe Artikel über Werke und Werte von Jean de Sperati zu den folgenden Sammelgebieten und Ausgaben erschienen :

– Baden
– Bayern
– Bergedorf
– Braunschweig
– Bremen
– Hannover
– Lübeck
– Mecklenburg-Schwerin
– Oldenburg

 

„Ochsenaugen“ aus Brasilien

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In der DBZ Deutsche Briefmarken-Zeitung haben wir 2014 die Erstausgaben des „WM-Landes 2014“ Brasilien als drittälteste Postwertzeichen der Welt etwas näher betrachtet. Dass sich auch der berühmteste „Briefmarken-Fälscher“ der Welt, Jean de Sperati (1884-1957) mit dieser Ausgabe befasst hat, kann man durchaus als Zeichen ihrer Würdigung verstehen. Die Originalvorlagen für die ersten Briefmarken Brasiliens von 1843 wurden von der kaiserlichen Münze in Stahl gestochen und bei der staatlichen Wertpapierdruckerei gefertigt. Es gehört schon einiger Mut dazu, möglichst perfekte Reproduktionen dieser raffiniert verzierten Wertzeichen in der fotografischen Technik Speratis anzufertigen. Wenn man allerdings betrachtet, wie schwach die Wiedergabe der Originale in damaligen Katalogen wirkt, kann man leicht verstehen, dass es durchaus Kunden gab, die seine Produkte als attraktiv gelungene „Lückenfüller“ zu schätzen wussten…

Auch heute noch können sich die Kurse für anerkannte Stücke aus Speratis Produktion sehen lassen. Bei einer Auktion kamen zwei Exemplare zum Ausruf, die zudem mit imitierten Stempeln versehen und auf der Rückseite mit der Signatur „Jean de Sperati“ mit Bleistift gekennzeichnet waren. Sie stammten demnach nicht aus den Reproduktionen, die den Bänden beigelegt wurden, die 1955 in London über Speratis Werk bei der British Philatelic Association erschienen.

Katalognummer 2, mit den “Bull Eyes” aus 1843 in der Wertstufe „60“, mit breiten Rändern und großem Stempelteil, startete als Sperati-Produkt mit 80 Euro und kostete 120 plus Aufgeld. Für die Nr. 3 zu „90“ als signierte „Sperati forgery“ mit ungleich breiten, „natürlich“ wirkenden Rändern und schönem Teilstempel, wurden 140 statt 80 Euro verbucht (Fa. Heinrich Köhler, Wiesbaden).

Durchaus möglich, dass Speratis Reproduktionen etwa zeitgleich mit den Jubiläumsausgaben „100 Jahre brasilianische Briefmarken“ vom August 1943 entstanden. Das „CENTENARIO DO SELO POSTAL“ feierte Brasiliens Post gleich mit mehreren Werten und Emissionen, die in der Bildgestaltung an die Erstlinge erinnern.

Michael Burzan

(Auszug aus DBZ 18/2014, Markt & Marken: „Ochsenaugen hoch 3“, Folge III / Neuversionen des Brasilien-Trios)

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Die Ansichtskarten-Sammlung : Jahrgang 1913 (I)

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Liebesgrüße per Ansichtskarten

Im Jahr 1913 war die Korrespondenz zwischen Sperati und seiner Verlobten besonders intensiv. In jener Zeit unternahm er verschiedene Reisen, die sich mit Ansichtskarten belegen lassen. Am 22. April 1913 schrieb er ihr mehrere Exemplare aus der damals deutschen Stadt Straßburg an eine neue Adresse in Joinville-le-Pont, südöstlich von Paris gelegen, signiert „Jeannot & Ninette“.

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Danach reiste er in die Schweiz und schickte Karten aus Basel und La Chaux-de-Fonds, einem Zentrum der Druckindustrie. Eine der farbigen Lithographien zeigt die geschichtsträchtige Kirche, die zum Nationalheiligtum erklärt worden war, mit einem Druckfehler in der Beschriftung „Grand Temqle National…“ (statt „Temple“). Sicher war Sperati diese Besonderheit in der Auflage der „Editions Art. Perrochet u. David“ aufgefallen…

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Ein anderes Motiv mit einer verschneiten Winterszene beklebte er auf der Bildseite mit dem „Tellknaben“ zu fünf Rappen. Als Beleg für die sprichwörtliche „Schweizer Gründlichkeit“ erhielt die Karte den postalischen zweisprachigen Zusatzstempel „Affranchissement au verso / Frankatur siehe Rückseite“.

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Nicht verschickt wurde eine Karte mit der handschriftlichen Bezeichnung „Souvenir du mois d’Avril 1913 avec loulou en Allemagne.“, unvollständig adressiert „A Joinville Le Pont / Jeannot et Ninette“. Sie trägt eine farbige Bildseite „Stuttgart – Johanniskirche mit Feuersee“, hergestellt von der „Graphophot G.m.b.H., Berlin 8W, 68 – No.6“. Das bedeutende Bauwerk der Neugotik wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Beim Wiederaufbau ließ man den Turm unvollendet, ein bleibendes Mahnmal gegen den Krieg.

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Am 10. Mai 1913 hielt sich Sperati in Köln auf, wie weitere Ansichten vom Dom und mit Blick über den Rhein auf die Altstadt zeigen. Gekürzt adressiert an einen neuen Wohnsitz von „Mlle Ma Lu Corne“ bei Madame Gilles in Belfort, klebte ihr Verlobter die Germania-Frankatur zu fünf Pfennig rechts oben auf die Bildseite und schrieb verso auf Deutsch „Marke Rückseite“.

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Sperati’s Ansichtskarten-Sammlung – Aus dem Jahrgang 1911

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sperati-1911-egi-2 sperati-1911-egi-1Drei Ansichtskarten aus Turin nach Paris, vom September und November 1911: von seinem Bruder Egisto an Jean de Sperati (bereits mit französischem Vornamen!); und von seiner Mutter Maria de Sperati, geborene Arnulfi, an seine Verlobte Marie Louise Corn unter derselben Adresse, fast drei Jahre vor ihrer Hochzeit. Sein Bruder berichtet von Ereignissen aus dem Italienisch-Türkischen Krieg.
(c: Archiv Michael Burzan & PhilaTec)

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Oben eine Ansicht aus der Rue du Ranelagh im Pariser 16. Arrondissement.
Im Gebäude links könnte sich der damalige Wohnsitz von Sperati und seiner späteren Gattin befunden haben, die er angeblich dort kennengelernt hatte…

Geburtsort Pistoia – nicht Pisa

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Jean de Sperati wurde am 14. Oktober 1884 als Giovanni de Sperati in Pistoia geboren, in der italienischen Toskana. In vielen Biografien – so auch in bisherigen Wikipedia-Einträgen – wird sein Geburtsort fälschlich mit Pisa angegeben; diese Stadt ist gut doppelt so weit entfernt von Florenz wie Pistoia.sperati-1900-pisto-xc2 Sein Vater, Enrico de Sperati, hatte 1879 nach seiner Militärlaufbahn als Colonel eine Metallgießerei in Pistoia erworben, in der Erwartung, seinen vier Söhnen damit einen Lebensunterhalt bieten zu können. In Sperati’s Ansichtskarten-Sammlung findet sich ein Stück aus Pavana (Sambuca Pistoiese), nicht weit von Pistoia entfernt, mit dem eigenhändigen Vermerk „16. Oct. 1916 á Pistoia“ auf der Bildseite. Die Karte ist ungebraucht geblieben, aber an sich selbst unter der damaligen Adresse in Paris gerichtet. Weitere Stücke belegen, dass Sperati zu seinem 32. Geburtstag gemeinsam mit seiner Gattin seine Heimat besuchte. Offensichtlich wollte mit diesem Motiv ein Souvenir an seine Kindheit bewahren. (c: Archiv Michael Burzan & PhilaTec) sperati-1916-it-02sperati-1916-it-01-x

Die Villa „Clair de Lune“ – Villa Mondschein

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Der Wohnsitz von Jean de Sperati, seiner Frau Louisette und Tochter Yvonne befand sich von den 1930er-Jahren bis zu seinem Tod in Aix-les-Bains am Boulevard de la Roche du Roi. (Fotos: Michael Burzan & PhilaTec)

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Die Villa „Clair de Lune“ (Mondschein) wurde 1914 nach Plänen des Architekten Jules Fanton erbaut und ist noch heute erhalten. Sie bietet einen großzügigen Blick über die Stadt bis auf den See und das umgebende Gebirge der Voralpen mit dem „Dent du Chat“ (Katzenzahn).

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Im Lauf des Jahres 1935 wurde die Villa von Jean de Sperati gemietet und 1948 von seinem Schwiegersohn erworben. Heute verweist die Stadtgeschichte darauf, dass Jean de Sperati als berühmter Bewohner mit der Historie des Gebäudes verbunden ist (www.patrimoine.rhonealpes.fr).

Lucette Blanc-Girardet beschreibt in ihrer Sperati-Biografie nach Erzählungen seiner Tochter Yvonne das Alltagsleben in ihrem Elternhaus. Jean de Sperati stand täglich um sechs Uhr auf und begann den Tag mit Gymnastik auf der Terrasse, gerne Goethe in der Originalsprache deklamierend – dies sei nach seinen Worten „sehr gut für die Atmung“. In den unteren Etagen richtete er sein Büro und Arbeitszimmer, ein Labor und eine Dunkelkammer ein. Dort verbrachte er Tage und manche Nächte, wie seine Tochter dann morgens am Geruch der Chemikalien bemerken konnte, der durch den turmähnlichen Aufgang bis zu ihren beiden oben gelegenen Zimmern gestiegen war.

Sperati liebte das Angeln, vertrat Savoyen sogar bei einem nationalen Wettbewerb; er führte philosophische Diskussionen mit einem befreundeten Maler und Schmuckdesigner, Cyril Constantin (1904-1995), reiste häufig zu philatelistischen Veranstaltungen und Ausstellungen, pflegte Kontakte zu Händlern über die ganze Welt.

Unten: Architektur-Zeichnung zur „Villa Clair de Lune“ in Aix-les-Bains, erbaut vor 100 Jahren, in der Jean de Sperati von 1935 bis zu seinem Lebensende residierte.sperati-villa-plan-1A

Biografin Lucette Blanc-Girardet

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Die Sperati-Biografin Lucette Blanc-Girardet hat im April 2003 einen gelungenen Band in französischer Sprache unter dem Titel
„Jean de Sperati – L’homme qui copiait les timbres“
(Jean de Sperati – Der Mann der die Briefmarken kopierte)
publiziert. Eine englische Übersetzung ist in Arbeit. Viele private Details, Fotos und Hintergründe zu seiner Lebensgeschichte hat sie in diesem Band zusammengetragen. Sie berichtete mir im Interview auf Französisch davon, wie Sperati das Material für seine Reproduktionen zusammentrug; dass die unverheiratete Schwester seiner Frau zeitlebens bei ihnen wohnte; dass nach dem Tod von Sperati sein Schwiegersohn den größten Teil des Nachlasses im Garten verbrannte, weil es ihm peinlich war, mit einem „Fälscher“ verwandt zu sein; wie sie bei ihren Forschungen von den Hütern der Royal Collection in London empfangen wurde; und weitere Anekdoten rund um den Mann, der auch als „Rubens der Philatelie“ bezeichnet wird.
(Foto: Michael Burzan & PhilaTec)

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