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Schwedens „TRE SKILLING Banco“ als Fehldruck in Gelb

Die seltenste Version aus der ersten Serie schwedischer Postwertzeichen ist die legendäre Farb-Abart der „TRE SKILLING BANCO“. Für die Welt der europäischen Philatelie stellt sie das „Non plus Ultra“ dar, die berühmteste und wohl auch teuerste Briefmarke Europas. Die als Fehldruck klassifizierte MiNr. 1 F, die das Markenbild in orangegelber Farbe anstatt in Grün trägt, ist auch nach 160 Jahren nur in einem einzigen legendären Exemplar bekannt. Sie wurde auch von dem besten „Briefmarkenfälscher“ Jean de Sperati reproduziert und erzielt als „Ersatz“ für das unerreichbare Original beachtliche dreistellige Preise.

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Eine Sperati-Version der Toprarität, leicht erkennbar durch den abweichenden Stempel

Auch wenn noch zahlreiche andere Postwertzeichen-Abarten als Unikate existieren, hat keine den Status dieser Marke erreicht. Ihre Echtheit und Entstehungsgeschichte wurde wiederholt in Frage gestellt, doch es scheint sich um eine versehentliche Verwendung der Farbe zu handeln, die sonst für eine späte Teilauflage der Wertstufe zu 8 Skilling Banco regulär zum Einsatz kam (MiNr. 4).

Ihre Entdeckungsgeschichte, die 1931 bei einem Rechtsanwalt in Göteborg beeidet wurde, trägt zur Legende bei. Der Stockholmer Schüler Georg Wilhelm Backman war gerade 14 Jahre alt, aber kein Briefmarkensammler, als er in den Weihnachtsferien 1885 seine Großmutter bei Romfartuna nördlich der schwedischen Stadt Västeras besuchte. Unter den Hinterlassenschaften seines Großvaters fand er jenes Exemplar des Fehldruckes, auf blaues Schreibpapier geklebt. Da die Großmutter ihre Briefe behalten wollte, löste er die Marke ab und verursachte dabei eine kleine Beschädigung an der Zähnung, die er mit einem Knopflocheisen beseitigte. Später rekonstruierte Backman, dass die Marke sich auf einem Brief von seinem Großonkel befunden haben soll, der am 13. Juli 1857 aus Nya Kopparberget in Wästmanland abgeschickt wurde.

Nach den Ferien verkaufte er die Briefmarke Anfang 1886 für sieben Kronen an den Briefmarkenhändler Heinrich Lichtenstein, dem die gelbe statt grüne Farbe sofort auffiel. Wenig später präsentierte der Händler sie als Seltenheit in einer Ausstellung und erhielt bereits ein Gebot von 300 Kronen, auf das er jedoch in Erwartung weit höherer Preise nicht einging.

Nach einigen preislich nicht dokumentierten Besitzerwechseln erwarb der Wiener Briefmarkenhändler Sigmund Friedl den Fehldruck. Im Jahr 1894 veräußerte er die gelbe „Tre Skilling Banco“ zum damaligen Rekordpreis von 4000 Gulden, etwa 3000 Dollar, an den legendären Sammler Philipp La Renotière von Ferrary.

Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte 1922 die Auflösung der Ferrary-Kollektion durch den französischen Staat und der Fehldruck ging zum Preis von 35 250 Francs, damals rund 5000 Dollar, an den schwedischen Baron Eric Leijonhufvud. Schon vier Jahre später wechselte die Marke etwa zum doppelten Preis erneut den Besitzer und kam in die Kollektion von Claes A. Tamm. Nur zwei Jahre danach kaufte sie der Schwede Dr. Johan Ramberg für umgerechnet rund 2000 Pfund oder 15 000 Dollar. 1937 zahlte König Carol II. von Rumänien durch Vermittlung des Londoner Auktionshauses H. R. Harmer bereits 5000 Pfund für die gelbe „Tre Skilling Banco“. 1950 erwarb sie der bedeutende Sammler René Berlingin für eine unbekannte Summe.

Bei einigen weiteren Besitzerwechseln blieben die Käufer oder Verkäufer anonym; ebenso lassen sich nur noch wenige konkrete Preisangaben finden. 1963 soll ein Angebot von 240 000 Schweizer Franken abgelehnt worden sein, berichtete der Autor Dr. Frank Arnau. Im Oktober 1978 wurde das Stück bei der 150. Auktion von Edgar Mohrmann für eine Million Mark angeboten, aber zurückgezogen.

Im März 1984 erfolgte der Zuschlag bei David Feldman in Zürich zum Preis von 977 500 Schweizer Franken inklusive Aufgeld. Ein anonymer Sammler hatte den Auftrag zur Ersteigerung bis maximal 870 000 Franken (plus Nebenkosten) nur wenige Sekunden vor der Auktion an einen Agenten erteilt. Im Mai 1990 ließ der Sohn des mittlerweile verstorbenen Käufers die Marke erneut bei David Feldman versteigern; der Endpreis lag bei 1 897 500 Franken. Der Erwerber blieb allerdings die vollständige Begleichung der Rechnung schuldig, daher wurde der Fehldruck der „Tre Skilling Banco“ im November 1996 in Genf erneut ausgerufen und erbrachte einen Betrag von 2,5 Millionen Schweizer Franken. Am 22. Mai 2010 wurde die Marke wiederum beim Auktionshaus David Feldman in Genf offeriert; Käufer wie auch Kaufpreis blieben ungenannt. Im Mai 2013 erwarb der schwedische Unternehmer und Politiker Graf Gustaf Archibald Siegwart Douglas den Fehldruck zu einem unbekannten Preis und brachte ihn zurück in sein Ursprungsland.

Angesichts der Einzigartigkeit dieser Toprarität – auch 160 Jahre nach Erscheinen der schwedischen Erstausgabe – können Katalogwerte nur vorsichtige Schätzungen darstellen. Schon in den 1980er-Jahren notierte Michel dafür einen Betrag von 1,3 Millionen Mark. Seither sind daraus 2 Millionen Michel-Euro geworden…

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Als „Marke auf Marke“ zeigte Schwedens Post die gelbe „Tre Skilling Banco“ 1992 auf MiNr. 1716.

Wer die „Lücke“ in seiner Sammlung günstiger schließen will, muss allein für die Reproduktionen von Jean de Sperati etliche hundert bis über tausend Euro einkalkulieren. Auch weitere Werte der ersten philatelistischen Schwedinnen hat er imitiert.

Eine preiswerte Reproduktion verausgabte die schwedische Post am 26. März 1992 im Markenheftchen 170 unter dem Titel „Berühmte Briefmarken“. Das Heftchenblatt 197 mit MiNr. 1714-1716 enthält neben zwei Normalstücken der Nummer 1 zu 3 Skilling Banco in Grün zu 2,80 und 4,50 Kronen zwei der gelben Fehldrucke zum Nominalwert von 5,50 Kronen (MiNr. 1716, Auflage 2,32 Millionen).

c: Michael Burzan & PhilaTec 2015

(aus: DBZ 19/2015, Markt & Marken, Folge III der Reihe über Schwedens Erstausgabe 1855)

Mehr dazu auf Schwedisch:
Sperati Sweden

Forged Stamps of Sweden (incl. Sperati)

 

 

 

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